Der Netzer Flügelaltar ist eines der bedeutendsten Exemplare der westfälischen Tafelmalerei aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Um 1360/ 70 entstanden, befindet er sich heute noch an seinem ursprünglichen Ort, in der ehemaligen Klosterkirche des Zisterzienserinnenklosters Marienthal, für das der Altar wahrscheinlich gestiftet wurde.
Das Altargemälde zeigt in dreizehn Einzelbildern die neutestamentliche Heilsgeschichte, beginnend mit der Ankündigung der Geburt Jesu bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten. Auf der Innenseite des linken Flügels sind Szenen der Kindheit Jesu dargestellt, auf der Mitteltafel die Leidensgeschichte vom letzten Abendmahl bis zur Kreuzabnahme und auf der Innenseite des rechten Flügels Grablegung, Auferstehung, Himmelfahrt Christi und Ausgießung des Heiligen Geistes auf die versammelten Jünger mit Maria in ihrer Mitte. Maria, hervorgehoben in ihrer Würde als Gottesmutter, ist auf fast allen Darstellungen präsent. Die besondere Verehrung des Zisterzienserordens für Maria wird hier ebenso deutlich wie im Namen der Kirche „St. Maria“. Die „Vier Gekrönten“, die neben Maria der Kirche ihren Namen gaben, sind auf der Rückseite des rechten Altarflügels anhand ihrer Arbeitswerkzeuge als Schutzheilige der Steinmetze zu identifizieren. Dieses Patrozinium ist äußerst selten und nur dreimal in Europa belegt.
Alle Darstellungen des Altarbildes sind mit einem wunderbar schimmernden Goldhintergrund versehen. Das Ewige tritt ein ins Zeitliche, in die von uns erfahrbare Dimension von Raum und Zeit. Viele Figuren in den einzelnen Szenen laden dazu ein, sich selbst innerhalb des Geschehens zu sehen und damit auch die eigene Gegenwart in die Heilsgeschichte hineingenommen zu wissen.
Geschichte |
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| 1357 | vermutlich vom Waldecker Grafen Heinrich VI. gestiftet |
| Um 1370 | Enstehung des Altars |
| Bis 1604 | Standort des Altars auf der Nonnenempore |
| 1757 - 1764 | Im siebenjährigen Krieg Altar im Dorf versteckt. |
| 1928 | Verkauf des Altars durch netzer Bürger verhindert |
| 1943 - 1945 | Altar in Bunker in Bad Wildungen eingelagert |
| 1983 - 1991 | Renovierung des Altars |